Mielkendorfer Geschichte – eine Ziegelei im Ort

Text: Eckhard Hübner, Foto: Michael Ehrig

Im Mittelalter und auch in der Frühen Neuzeit entstanden die meisten Häuser in Holzbauweise. Ziegel wurden zunächst nur zur Errichtung von Kirchen und Klöstern genutzt, da der Baustoff Holz ab einer bestimmten Gebäudehöhe nicht mehr verwendet werden konnte. Seit dem Spätmittelalter wurden adlige Repräsentativgebäude in Ziegelbauweise errichtet. Im ländlichen Bereich Schleswig-Holsteins gewann der Backsteinbau erst am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung. Dies hatte mehrere Gründe: Der Rohstoff Holz wurde immer mehr zur Mangelware, die Brandgefahr konnte bei Ziegelhäusern drastisch reduziert werden, die beginnende Industrialisierung und die damit einhergehende rege Bautätigkeit verstärkten die Nachfrage und schließlich bot das Ziegelmauerwerk eine weit bessere Abdichtung gegen das Eindringen von Wasser und damit eine Erhöhung der Wohnqualität.

So nimmt es nicht wunder, dass überall in Schleswig-Holstein seit etwa 1700 mit der Errichtung von Ziegeleien begonnen wurde. Im Amt Bordesholm, dem Mielkendorf im 18. und über weite Strecken des 19. Jahrhunderts angehörte, kam es erstmals 1728 zu Planungen, eine Ziegelei zu errichten. Träger dieser nicht verwirklichten Vorhaben wäre der Landesherr gewesen, umgesetzt werden sollten diese Baumaßnahmen in Schönhorst und bei uns in Mielkendorf. Immerhin: Eine Ziegelei in Schönhorst hatte 1765 ihren Betrieb aufgenommen (eine weitere in der näheren Umgebung Mielkendorfs befand sich in Hoffeld).

Die Hochzeit der Ziegeleien in Schleswig-Holstein indes bildete die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Damals waren nach einer Erhebung des preußischen Innenministeriums aus dem Jahre 1866 im heutigen Landkreis Rendsburg-Eckernförde insgesamt 63 Ziegeleibetriebe vorhanden. Mielkendorf zählte allerdings noch nicht zu den Standorten (die nächst gelegene Ziegelei befand sich in Molfsee, im heutigen Ortsteil Rammsee). Dies sollte sich allerdings bald ändern, denn Ende des Jahres 1867 stellte der Hufner Claus Detlef Kähler beim Amt Bordesholm den Antrag, eine Ziegelei auf seinen Ländereien errichten zu dürfen. Kähler war Inhaber der sogenannten 4. Mielkendorfer Hufe, die später (1953) in der Besitz des Landwirts Matthias Hofer überging (heute Familie Grewe). In seinem Antrag erläuterte Kähler, dass er beabsichtige, einen doppelten Ziegelbrennofen, eine Trockenscheune und eine Wohnung für dort tätige Arbeiter erbauen zu lassen. Nach eingehender behördlicher Prüfung der örtlichen Gegebenheiten, besonders etwaiger Gefährdungen infolge eines Feuers, erteilte das Amt Bordesholm am 3. Februar 1868 „die Erlaubnis zu Anlegung und Betreibung einer Ziegelei“.

Der Ort, an dem die Mielkendorfer Ziegelei errichtet wurde, lässt sich ziemlich exakt bestimmen. Es war der südwestliche Teil einer zur Kählerschen Hufe gehörenden Koppel, die im damaligen Sprachgebrauch als Mehlenwiese oder Mehlenkrog bezeichnet wurde und später als Hauskoppel Hofer bekannt war. Sie besaß einen sehr lehmreichen Boden, eine Voraussetzung, um eine Ziegelei betreiben zu können. Wirft man einen Blick auf das heutige Mielkendorfer Ortsbild, lässt sich die damalige Ziegelei recht präzise auf dem Gebiet des Wendehammers der Straße Am Hagen und auf den umliegenden Grundstücken positionieren.

Was aber veranlasste den Hufner Kähler zu dieser sicherlich nicht geringen Investition? Man kann darüber nur spekulieren, aber mit einem gewissen Grad an Wahrscheinlichkeit dürfte die Entwicklung im nahen Kiel dafür verantwortlich gewesen sein. Dort erwuchs im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts aus der beschaulichen Fördestadt eine vor allem von der Marine und den Werften geprägte Großstadt. Wohnhäuser mussten errichtet werden, um der rasant steigenden Bevölkerungszahl Unterkünfte bieten zu können, und zum Bau von Häusern benötigte man unter anderem Ziegel – aufgrund der zahllosen Bauvorhaben sogar eine riesige Menge. Die Kählersche Investition dürfte also bereits nach kurzer Zeit gewinnbringend gewesen sein, hier hatte ein Mielkendorfer Landwirt die Zeichen der Zeit erkannt und sich mit der Ziegelei ein zweites Standbein neben seinem landwirtschaftlichen Betrieb geschaffen.

Zur Ziegelfertigung wurde geeignetes Material, also Ton oder wie in Mielkendorf Lehm benötigt, das geschmeidig gemacht, in Form gebracht und in den Trockenscheunen luftig getrocknet wurde. Sodann wurde den Steinen in Brennöfen zunächst das Wasser entzogen, bevor sie bei höheren Temperaturen gebrannt wurden. Nach dem Brand ließ man die Steine abkühlen. Leider besitzen wir keinerlei Informationen über den Umfang der Produktion in der Mielkendorfer Ziegelei (durchschnittlich schaffte eine kleine Ziegelei vier oder fünf Brände im Jahr). Gleiches gilt für Fragen nach den Auftraggebern, nach der Zahl der Beschäftigten oder nach den Gewinnspannen. Nicht einmal der genaue Zeitpunkt der Inbetriebnahme ist bekannt. Wohl aber existiert im Landesarchiv Schleswig ein Dokument, das den Betrieb der Mielkendorfer Ziegelei zweifelsfrei nachweist – und damit Hinweise auf eine Ziegelei in unseren beiden Ortschroniken quellenmäßig absichert. Mit Datum vom 9.4. 1876 war eine “Verzeichnung der im Kreis Kiel [zu dem Mielkendorf seit 1867 gehörte] vorhandenen Ziegeleien“ angefertigt worden. Bei insgesamt 30 Betrieben trägt die Nummer 21 den Vermerk: „Kähler, Claus Mielkendorf“.

Ebenso wenig wie der Beginn der Ziegelherstellung in Mielkendorf ist auch ihre Beendigung bekannt. Die Mutmaßung in der älteren Ortschronik, sie sei in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts eingestellt worden, dürfte aber zutreffen. Gleichgültig, ob man gegenüber größeren Ziegeleien nicht mehr konkurrenzfähig war, ob Aufträge ausblieben oder der Boden keinen Rohstoff mehr lieferte, man befand sich im Trend der Zeit, denn bereits um 1900 waren die meisten Ziegeleien im heutigen Landkreis Rendsburg-Eckernförde eingegangen.

Maximal dreißig Jahre währte die Geschichte der Mielkendorfer Ziegelei, eine Episode in der langjährigen Geschichte des Ortes und ohne nachhaltige Wirkungen. Mit einer Ausnahme: Grundstücksbesitzer rund um den Wendehammer der Straße Am Hagen entdecken in ihren Gärten immer wieder kleinere und größere Ziegelstücke, wie das beigefügte Foto anschaulich belegt.

Hinweise: Der Bestand im Landesarchiv: Abt. 320 Kreis Bordesholm, Nr. 196 Ziegeleien 1867-1889; bei den genannten Chroniken handelt es sich um W. Barthel, Chronik von Mielkendorf, Plön 1971, und H. Hildebrandt, Mielkendorf. Geschichte einer Kieler Stadtrandgemeinde, Mielkendorf 1995. Außerdem: M. Pries, Die Entwicklung der Ziegeleien in Schleswig-Holstein, Hamburg 1989, und R. Pohlmeyer, Die Ziegeleien, in: Jahrbuch für das ehemalige Amt Bordesholm 16 (2014), S. 201-206 (allerdings ohne Erwähnung der Mielkendorfer Ziegelei).